Lead User – Beispiele

Lead User nach der Definition von Hippels sind Personen, die sich sehr intensiv mit einem Produkt beschäftigen und dadurch bereits vor allen anderen Anwendern Bedürfnisse haben, die der Massenmarkt erst einige Zeit später bemerkt. Lead User verfügen damit über Bedürfnisinformationen und teilweise auch über Lösungswissen, um Produkte an Ihre eigenen Vorlieben anpassen zu können. In den letzten 12 Monaten haben wir stets die Augen offen gehalten und einige Lead User aus den verschiedensten Bereichen identifiziert.

Trish und Laura sind beide Flugbegleiterinnen und flogen während des Zeitpunktes, an dem die Bilder gemacht wurden, für die Gesellschaft US Airways von München nach Philadelphia. Auf den kleinen Rollwagen, auf denen die Servicekräfte die Speisen und Getränke für die Passagiere transportieren, ist sehr wenig Platz. Da das Stapeln von Bechern und Flaschen in einem Flugzeug bei Turbulenzen relativ schwierig ist, hat Trish aus einem großen Becher einen Deckel für die Kaffeekanne gebaut. Diesen Becher setzt sie auf die Öffnung der Kaffekanne und kann dort hinein mehrere kleinere Becher stapeln. Wünscht ein Gast nun einen Tomatensaft, kann Trish den Saft direkt in die gestapelten kleinen Becher füllen und dann den obersten Becher gleich weiterreichen. Nachdem Trish diese Verbesserung während ihres normalen Arbeitstages regelmäßig nutzte, begannen auch ihre Arbeitskolleginnen, unter anderen auch Laura, diese Verbesserung zu kopieren. Mittlerweile hat die gesamte Crew dieses Flugzeuges das System von Trish übernommen und wendet es täglich an.

In der Münchner U-Bahn-Haltestelle „Sendlinger Tor“ arbeitet Serif. Seit ein paar Jahren fegt der gebürtige Türke dort jeden Tag den Bahnsteig und das Sperrengeschoss. Serif hat keine Berufsausbildung und spricht nur sehr wenig deutsch, er bezeichnet sich als „einfachen Mann, der nur seine Arbeit tut“. Dennoch kann er als Lead-User nach der Definition von Hippels kategorisiert werden. Zu seinen Aufgaben zählt neben dem Fegen auch das Entfernen von Kaugummis, die auf dem Boden kleben. Früher griff er dafür zu einem Spachtel und kniete sich auf die Fliesen, um das Kaugummi abzukratzen. Dann kam er auf die Idee, den Besen mit dem Spachtel zu kombinieren. Nach Einholung der Erlaubnis seines Vorgesetzten montierte er den ersten Prototypen und setzte diesen in der Praxis ein. Serif hat damit nicht nur eigene Bedürfnisse erkannt, sondern auch die seiner Kollegen. Desweiteren nutzt er seine Lösungskompetenz, um einen Prototypen zu bauen.