Schwarm treibt medizinische Innovationen an

Rechtzeitig zum Wochenende erhalten wir Nachricht über einen tollen neuen Artikel in der Wirschaftszeitung über unsere Open Innovation Plattform mit dem Medical Valley; geschrieben von Oxana Bytschenko. Hier finden Sie die vollständige Case Study zur Plattform

Wir danken der Wirtschaftszeitung (Quelle) für die Genehmigung, diesen Artikel auf unserer Webseite mit Ihnen teilen zu dürfen!

Quelle: Wirtschaftszeitung, Ausgabe 9, September 2015, Seite 11


 

Unternehmen, Forscher und Fachfremde suchen auf einer Plattform gemeinsam nach Lösungen – mit Preisgeld für die Besten

VON OXANA BYTSCHENKO

ERLANGEN. Wenn Kinder eine Flasche nicht aufbekommen oder ihr Legoturm immer wieder umfällt, bitten sie ältere Kinder oder die Eltern um Hilfe. Sie nutzen das Wissen und die Erfahrung der anderen, um sich zu verbessern. Bei Unternehmen läuft die Suche nach einer Problemlösung oft anders – intern und heimlich. Andere Abteilungen wissen manchmal nicht, was im Unternehmen entwickelt und woran geforscht wird – und schon gar nicht externe Experten und Forscher.

Perspektiven von außen

Hier greift eine neue Plattform des Medizintechnik-Clusters Medical Valley in der europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) ein: Das Forschungsprojekt „Open Innovation für nachhaltige Gesundheitslösungen“ wurde im Juni erfolgreich absolviert. Dabei wurden Lösungen für vier Fragestellungen im Bereich der Medizintechnik gesucht und mit Preisgeldern belohnt. Auf www.medical-valley-innovation.de wurden außenstehende Experten und Lösungsfinder mit Unternehmen zusammengeführt, um den Innovationsprozess voranzutreiben. Die freiwilligen Experten schlugen Lösungen für effizientere Patientenuntersuchung in der Radiologie vor und fanden neue Anwendungen für Echtzeit- 3-D-Kameras in medizinischen und verwandten Bereichen. Anhand der eingereichten Ideen wurde sogar ein Prototyp für einen kostengünstigen und handlichen Musterprojektor konstruiert, der für 3-D-Darstellungen in der Medizin verwendet werden kann. Außerdem ist auf diesem Weg eine neue App für personalisierte Kindermedizin entstanden. Die besten Ideen und Konzepte wurden mit insgesamt 14.000 Euro belohnt.

Die Open Innovation Plattform wurde von der innosabi GmbH, einem Anbieter von Crowdsourcing und Open Innovation Software, gemeinsam mit der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und dem Medizintechnik-Cluster Medical Valley umgesetzt. Das Portal wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie gefördert. „Selbst ein Spitzencluster wie Medical Valley mit vielfältigem Wissen und Expertisen hat es schwer, Innovationen abgeschottet von der Außenwelt voranzutreiben“, erklärt Moritz Wurfbaum, Geschäftsführer bei innosabi. Vor allem radikale, vielversprechende Innovationen würden meist da entstehen, wo technologisches Know-how der Hersteller und völlig neue Perspektiven zusammenkommen. „Diese Perspektiven von außerhalb der Unternehmen lassen sich mit Open Innovation Plattformen gezielt erschließen“, sagt Wurfbaum.

Die Innovationsplattform ähnelt einem Marktplatz, wo Nachfrage und Angebot zusammentreffen. Unternehmen können hier Forschungs- und Entwicklungsfragen einstellen, die beste Lösung des Problems erhält ein Preisgeld. Der klare Vorteil der offenen Plattformen ist das interdisziplinäre Wissen. „Durch eine unvoreingenommene Herangehensweise sowie Kenntnisse aus anderen Bereichen liefern gerade fachfremde Experten häufig besonders wertvolle Vorschläge, die zur Problemlösung beitragen“, erklärt Prof. Dr. Kathrin Möslein vom Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik I.

Durch die hohe Qualität der Lösungsvorschläge können Unternehmen die Konzepte sofort umsetzen und Entwicklungszeiten für neue Produkte verkürzen. Nebenbei können Unternehmen neue Geschäftsmodelle erschließen und Geschäftspartner finden. Innovation braucht Input – und diesen finden Unternehmen immer öfter auch außerhalb, von externen und fachfremden Experten. Moritz Wurfbaum bezeichnet diese Entwicklung als „moderne Form der Arbeitsteilung“. Nicht zuletzt, weil die Produkte und Dienstleistungen immer komplexer werden. „Anstatt den Wettbewerbscharakter in den Mittelpunkt zu rücken, profitieren solche Crowdsourcing Communities vom Austausch“, erklärt er.

Starke Idee aus Istanbul

Dabei darf auch der Spaß am gemeinsamen Entwickeln nicht fehlen. Unter den Menschen, die eine der 34 Lösungen für die vier Fragestellungen vorgeschlagen haben, waren Unternehmer, leitende Angestellte, Doktoranden und Studenten. Nach einer Umfrage machen 56 Prozent der Experten mit, um neue Erfahrungen zu sammeln und dazuzulernen. Erst an zweiter Stelle steht das Preisgeld. Auch berufliche Kontakte und Freude am Tüfteln und Forschen spielen eine Rolle. Die Plattform zog übrigens nicht nur Experten aus Bayern, sondern aus allen Regionen der Welt an: Ein Team aus Istanbul hat eine der besten Ideen geliefert.

Die Plattform wird im Medical Valley fortgeführt. Dazu wurde gerade in Zusammenarbeit mit dem Spitzencluster Biotechnologie in München eine clusterübergreifende Plattform aufgebaut, die in Kürze mit dem ersten Projekt online geht. Weitere Projekte werden gerade vorbereitet, erklärt Marco Wendel vom Förderprojektmanagement. „Für Unternehmen, die Open Innovation-Wettbewerbe in der Medizintechnik, Biotechnologie oder verwandten Branchen schalten wollen, sind unterschiedliche Formen denkbar, wie etwa offene oder konkrete technische Fragestellungen“, erklärt er. Die Unternehmen werden im Open Innovation Prozess begleitet.


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