Digitalisierung in der Öffentlichen Verwaltung – Ein Interview mit dem eGovernment Podcast

Der eGovernment Podcast, namentlich Thorsten Frenzel und Matthias Fein, war kürzlich zu Gast bei innosabi und hat unsere CEO Catharina van Delden interviewt. Neben Crowdsourcing und Open Innovation wurden dabei auch Themen wie die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung und Smart Cities angeschnitten.

Im Folgenden ein paar Auszüge aus dem Podcast, den Sie hier auch komplett anhören können (00:27:45):

eGov: innosabi, was machen Sie eigentlich als Firma, was kann man sich darunter vorstellen?

van Delden: „Wir bieten Software für Crowdsourced Innovation. […] Dahinter steht die Beobachtung, dass gerade große, traditionelle, alteingesessene Unternehmen einen immer höheren Innovationsdruck verspüren, dass sie immer mehr und immer schneller auf Trends reagieren müssen, dass sie vor allem auch in der Entwicklung digitaler Produkte natürlich auch eine ganz andere Art und Weise in der Produktentwicklung umsetzen müssen. Und da funktionieren die bisher von Gemeinhaltung geprägten Innovationsprozesse nicht mehr. Sondern man muss mit Communities arbeiten; man muss in Social Media unterwegs sein, man muss sich austauschen, man muss super schnell Prototypen bauen, sie iterieren, und das funktioniert eben in dieser ganz starren R&D Welt nicht mehr. Und dazu entwickeln wir Plattformen, die es ermöglichen, mit Communities Innovationsprozesse zu durchlaufen. […] Und all diese Arten der Zusammenarbeit müssen natürlich im Idealfall auf einer Plattform stattfinden damit die Daten nicht überall verteilt sind in verschiedenen Systemen und müssen vor allem auch sehr sehr schnell umsetzbar sein, und das ist das was unsere Plattformen können.“

eGov: Ich habe da natürlich einen konkreten Fall ganz speziell im Hinterkopf, das ist die Geschichte mit Haribo…

van Delden: „Der blaue Goldbär. Dahinter stand bei Haribo die Beobachtung, das Kunden eigentlich immer schon nachgefragt haben: Warum gibt es keinen blauen Goldbären? Es gab da unendliche Verschwörungstheorien, die tatsächliche Anwort war aber, dass Haribo erklärt, die Goldbären immer nur mit Farbstoffen natürlicher Herkunft herzustellen, und dafür gab es einfach kein ordentliches Blau. Und das hat sich jetzt vor Kurzem geändert und traditionellerweise hätte ein Unternehmen wohl gesagt: Gut, wir wissen immer schon unsere Kunden wollen blaue Goldbären, also kriegen sie sie jetzt auch. Haribo hat das als Chance erkannt, das als Aufhänger zu nehmen um Kunden in diesen Prozess mit einzubeziehen und zu sagen: Wir könnten jetzt, wenn ihr wolltet, den blauen Goldbären herstellen, wollt ihr ihn wirklich? Und was wollt ihr denn eigentlich noch? Und hat das quasi als Aufhänger genommen eine der größten Crowdsourcing Kampagnen Europas zu starten, mit sechsstelligen Teilnehmerzahlen – gigantisch – und hat so eine limitierte Edition der Goldbären, die Fan-Edition geschaffen. […] Viele wenden da natürlich ein: ob jetzt ein blauer oder ein roter Goldbär, wo ist da die Innovation? Gut ja, da geht es natürlich auch viel um Kommunikation, um das transparente und sympathische Gestalten einer Marke, um die Einbeziehung, um Social Media. Das ist aber natürlich der erste Schritt um Produkte auf eine ganz neue Art und Weise zu gestalten und eben nicht mehr nur auf das eigene interne Wissen zu vertrauen, sondern auch das Wissen der Kunden miteinzubeziehen.“

„Wenn man sich das Ganze jetzt in einem anderen Kontext vorstellt, dann sehen wir zum Beispiel die Continental AG aus dem Bereich Landwirtschaft, die neue Steuerungsdisplays für Landmaschinen zusammen mit Landwirten entwickelt hat. […] Continental verkauft ja die Cockpits alleine nicht direkt an die Landwirte, sondern verkauft die Cockpits wiederum an den Landmaschinenhersteller und so konnte Continental eine B-2-B-2-C Kette abbilden. Und ich glaube das zeigt, dass über Gummibärchen und Landmaschinen aber auch bis hin zu Finanzprodukten, Versicherungen, sich ein Innovationsprozess komplett verändert. Er wird kollaborativer, er wird schneller, er wird dynamischer und vor allem wird er offener und transparenter.“

eGov: Neben dem Crowdsourcing ist auch das Thema Open Innovation ein ganz großes, was kann man sich denn darunter vorstellen?

van Delden: „Die Begriffe verschmelzen da tatsächlich inzwischen und unter Open Innovation verstehen wir einen Innovationsprozess der offen ist für Wissen Externer, also nicht mehr nur innerhalb von Unternehmensgrenzen stattfindet, sondern von Kollaboration und Zusammenarbeit geprägt ist. Und wir sprechen eben dann von Crowdsourced Innovation wenn wir sagen, das findet nicht mehr nur in Workshops oder in eins-zu-eins Gesprächen und Kooperationen statt, sondern findet über das Internet mit Tausenden und Hunderdtausenden von Menschen statt. Also Crowdsourcing heißt ja die Auslagerung von Aufgaben an eine Große Anzahl von Menschen, und quasi die Kombination von Open Innovation und Crowdsourcing ist das was wir so spannend finden und was die guten Ergebnisse bringt.“

eGov: Wie kann man Open Innovation und Crowdsourcing auf die öffentliche Verwaltung anwenden?

van Delden: „Das ist für mich persönlich tatsächlich eines der spannendsten Felder. Die Harbios und Goldbären machen Spaß und erreichen viele Menschen, aber ich glaube, das zeigt, dass das Potential der Methode auch darin liegt Menschen zu begeistern und mitzureißen und das ist ja etwas was wir in der öffentlichen Verwaltung bisher eher weniger sehen. … Ich sehe aber auch, dass da irgendwo ein gesellschaftlicher Wandel dahinter steht. Ich nehme als Bürger, genauso wie als Konsument, eben Dinge nicht mehr unbedingt für gegeben; ich weiß, dass ich immer mehr Einfluss haben kann und auch Einfluss haben möchte, und glaube daher, dass Crowdsourced Innovation gerade auch im öffentlichen Bereich einen wahnsinnigen Impact haben kann.“

eGov: Thema eGovernment und neuer Personalausweis: Könnte denn da Crowdsoucing und Open Innovation, da was ansetzen oder beispielsweise auch beim Thema Bürgerportale?

van Delden: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die öffentliche Verwaltung gar nicht an alle Szenarien denken kann, die für den Bürger relevant sein könnten und die sie vor allem gar nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich gesehen haben, weil es erst durch die Vernetzung überhaupt für den Bürger relevant und spannend wird. Also jetzt nicht einfach nur die Abbildung von Behördengängen die vorher offline waren jetzt auch online, sondern wirklich an neue Szenarien. Und da muss natürlich die Verwaltung auf der einen Seite die Möglichkeiten dafür schaffen, durch Standards, durch Schnittstellen, muss aber auf der anderen Seite diese Szenarien, die man damit abbilden möchte, das muss natürlich auch von den Bürgern kommen, dass sie wirklich sagen: was sind unsere Ideen, vielleicht auch Startups, die darauf aufbauen können, eigene Dienste anbieten können. Ich glaube der ganze Prozess würde davon profitieren kollaborativ gestaltet zu sein.

eGov: Wenn jetzt eine kleinere Gemeinde beispielsweise auf Sie zukommen würde und sagen würde: Wir möchten was mit eGovernment machen. Wie kann man sich das vorstellen, wie würden Sie denn als innosabi da vorgehen?

van Delden: „Im ersten Schritt gilt es sicher, Themen zu identifizieren die für die eingeladenen Teilnehmer, also die Bürger, auch relevant sind und Spaß machen. Die ersten Themen müssen natürlich exemplarisch dafür stehen wo sich eine Plattform oder eine solche Initiative hinentwickeln soll, muss die Leute mitreißen, muss die Community aufbauen. Wir reden dabei von „Moments that Matter“. Das ist ein solcher wesentlicher Punkt, der geklärt sein muss um den gesamten Ansatz zum Erfolg zu bringen. […] Auf der anderen Seite muss man sich auch immer ganz ernsthaft fragen: „Wenn ich mich in einer solchen Art und Weise öffne für das Wissen Externer, wie gehe ich auch mit den Ergebnissen und dem Input um?“, weil einfach nur zu sagen: „Okay, sagt mir mal was wir wollt“, und dann nichts damit zu machen bringt ja auch nichts, und dann fühlen sich die Teilnehmer vor allem auch nicht ernst genommen und das ist ja das A&O eines jeden Crowdsourced Innovation Ansatzes.“

eGov: Ein anderes Thema: Das Event zu Smart Cities das Sie veranstaltet haben. Was verstehen Sie persönlich unter einer Smart City?

van Delden: „Das war im Vorfeld unseres Events tatsächlich eine große Diskussion, weil wir das Gefühl hatten Smart City steht für alles und nichts und jeder hat auch ein anderes Verständnis davon. Ich persönlich hatte früher tatsächlich ein vergleichsweise technisches Verständnis von Smart City, habe dabei wirklich an digitale Vernetzung etc. gedacht. Ausgelöst durch unser Event und vor allem auch die Vorträge von Herrn Müller und Herrn Glock, sehe ich das ganze momentan etwas holistischer, und sehe Smart City eigentlich als Inbegriff von Innovation in einer Stadt. Soll heißen, Städte waren ja immer eigentlich schon Ausgangspunkt für Entwicklung, für Innovation, hatten da immer schon die Nase vorn; und das ist einfach durch die Möglichkeiten, die wir heute haben auf einem ganz anderen Level möglich, also da reden wir von Tourismus über Energie, über Handel, über Mobilität, über Abfall. Also die Themen hören da gar nicht auf, aber was ihnen gemein ist, dass sie natürlich gerade heute, vor dem Hintergrund der digitalen Möglichkeiten die wir haben – von Daten, von Vernetzung – noch einmal auf ein ganz anderes Level gehoben werden können. Und Smart City heißt für mich auf der einen Seite, diese Möglichkeiten zu nutzen um eine Stadt innovativer zu machen, und damit aber auch einhergehend einen gesellschaftlich-kulturellen Wandel zu treiben. Und da sind wir wieder bei unseren Themen mit den Mitsprache-Themen, was ja schlussendlich der Grund war, warum wir unser Event veranstaltet haben.“

Das ganze Interview können Sie sich auch hier anhören!


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