Virtuelle Kollaboration: Eine Definition und eine Grafik in Abgrenzung zur Kooperation

Sechs Wochen ist unsere erste Master Class zum Thema „Warum Crowdsourced Innovation?“ nun schon her und nach unseren Grundbegiff-Beiträgen zu „Crowdsourcing“ und „Open Innovation“ wird es Zeit für eine nähere schriftliche Auseinandersetzung mit dem dritten essentiellen Crowdsourced Innovation Begriff: „Virtuelle Kollaboration“.

Im ersten Absatz möchten wir uns zunächst noch ganz grundlegend mit einer Definition für „Kollaboration“ auseinandersetzen, bevor wir danach einen Schritt weiter gehen und zur digitalisierten Form, also der Virtuellen bzw. E-Kollaboration kommen.

Definition: Kollaboration vs. Kooperation

Kollaboration ist im heutigen Sprachgebrauch als eine bestimmte Art der Zusammenarbeit bekannt. Oft wird der Begriff dabei als Synonym für Kooperation verwendet, was allerdings nicht ganz korrekt ist. Richtig ist, dass sowohl Kooperation als auch Kollaboration Formen der Zusammenarbeit bezeichnen. Bei genauerer Betrachtung lassen sich die beiden Begriffe jedoch deutlich voneinander trennen.

Kooperation zeichnet sich durch die Erreichung eines gemeinsamen Ergebnisses oder eines komplementären Ziels durch Personen oder Gruppen aus, die separat an unterschiedlichen Teilen einer Aufgabe arbeiten. Durch die Arbeitsteilung kann die Problembearbeitung parallel stattfinden.

„Cooperative work accomplished by the division of labor among participants, as an activity where each person is responsible for a portion of the problem solving…” (Roschelle & Teasley, 1995)

Kollaboration dagegen bezeichnet die gemeinsame Bearbeitung einer Aufgabe innerhalb einer Gruppe. Durch das interaktive teilen und diskutieren von individuellem Wissen wird ein gemeinsames Verständnis des Problems und seiner Lösung konstruiert und die Generierung von gänzlich neuem kollektiven Wissen gefördert. Die Problembearbeitung findet sequenziell, also nacheinander und zur Optimierung des Lösungsansatzes wiederholt, iterativ statt.

„„…collaboration is the process of shared creation: two or more individuals with complementary skills interacting to create a shared understanding that none had previously possessed or could have come to on their own.” (Schrage, 1990, S. 40)

In der Realität kommen Kooperation und Kollaboration nur selten in ihrer Reinform vor. Häufig findet man eine Mischung beider Konzepte vor.

Grafik: Kollaboration vs. Kooperation

Um den Unterschied noch klarer zu machen haben wir erneut unsere Grafiker bemüht und haben diesmal diese tolle Darstellung für Sie, die Kollaboration im Kontrast zur Kooperation verdeutlichen soll:

Kollaboration
Verwenden Sie diese Grafik – mit einem Hinweis auf innosabi – gerne auch für Ihre Zwecke weiter.

Virtuelle Kollaboration

Die kontinuierliche Digitalisierung unseres Alltags und unserer Arbeitswelt ermöglicht es inzwischen auch räumlich oder zeitlich getrennte Zusammenarbeit sinnvoll zu realisieren. Verschiedene technische Lösungen helfen den Mitarbeitern eines Unternehmens dabei, sich untereinander oder mit ihren Partnern oder Kunden zu vernetzen und über sog. Collaboration Plattformen oder Social Software kollaborativ zusammenzuarbeiten.

Zusammenfassend definieren wir den Begriff „Virtuelle Kollaboration“ bzw. „E-Kollaboration“ folgendermaßen:

Virtuelle oder E-Kollaboration ist die technologiegestützte Zusammenarbeit von zeitlich oder räumlich getrennten Projektgruppen, Mitarbeitern, Unternehmen und deren Zulieferern und Partnern zur Optimierung der Wertschöpfungskette.

Der Nutzen kollaborativer Zusammenarbeit

Erfolgreiche virtuelle Kollaboration ermöglicht durch die Kombination individuellen Wissens über digitale Plattformen – und dadurch unabhängig von Raum und Zeit – die Generierung völlig neuer, innovativer Problemlösungsansätze.

Während reine Kooperation lediglich individuelles Wissen addiert, bietet die Kollaboration Ergebnisse, die nicht nur einfach die Summe einzelner, separater Teile sind, sondern – quasi als Multiplikator – komplett neues, zusätzliches Wissen hervorbringen.

„Virtuelle Zusammenarbeit bietet enorme Potentiale zur Wertgenerierung, die sonst nicht oder nur schwer erschlossen werden können.“ Matthias Roggendorfer, McKinsey

In Anbetracht der wachsenden Komplexität in zahlreichen Geschäftsfeldern bergen virtuelle kollaborative Ansätze beste Voraussetzungen für die Erarbeitung von Lösungen in fachübergreifender Zusammenarbeit.

Kollaborative Online Plattformen bieten dabei eine gemeinsame Operationsbasis, welche die interaktive Weiterentwicklung einzelner Beiträge zu ausgereiften Ergebnissen ermöglicht und damit zur Optimierung der Wertschöpfungskette beiträgt.

Hindernisse erfolgreicher Kollaboration

Damit kollaborative Ansätze ihr volles Potential entfalten können, gilt es einige Kollaborationshürden im Auge zu behalten, die den Projekterfolg gefährden könnten. Der amerikanische Wissenschaftler Morten T. Hansen spricht in diesem Zusammenhang von vier konkreten Barrieren:

 

  • Die Not-invented-here Barriere: Viele Teams und Abteilungen scheuen sich gegen Einflussnahme von außen, da sie Bloßstellung oder Gängelung befürchten. Auch die Scheu davor Hierarchie- oder Statusgrenzen zu überqueren spielt eine Rolle bei dieser Art von Abschottung und führt zu einer Ablehnung von Hilfe von außen.
  • Die Hoarding Barriere: Während die „Not-invented-here“ Barriere sich gegen die Annahme von Hilfe richtet, geht es bei der Hoarding (zu Deutsch auch „Bunkermentaliät“) Barriere darum, dass die Hilfeleistung per se verweigert wird. Dieses Verhalten lässt sich auf mangelnde Zeit, aber auch auf einen hohen Konkurrenzdruck zurückführen, der Einzelpersonen dazu veranlasst ihr Wissen zu bunkern, um sich unentbehrlich zu machen, statt es zu teilen.
  • Die Search Barriere: Ein fehlendes Netzwerk, die Unternehmensgröße oder Informationsüberflutung können Gründe für eine Such-Barriere sein. Die benötigten Informationen oder Kontakte sind schwer zu finden und die gezielte Informationsbeschaffung ist mühselig und langsam.
  • Die Transfer Barriere: Wissen ist von Natur aus implizit und lässt sich häufig nur durch einen bestimmten Hintergrund, sowie durch eine gemeinsame Sprache übertragen. Fehlende Rahmenbedingungen wie diese, sowie schwache Beziehungen und fehlende Kommunikation untereinander behindern eine erfolgreiche Kollaboration maßgeblich.

 

Während es sich bei den ersten beiden Barrieren überwiegend um motivationale Faktoren handelt, also der Bereitschaft Hilfe anzunehmen oder zu leisten („wollen“-Dimension), dreht es sich bei den Barrieren drei und vier vorrangig um ungünstige Voraussetzungen („können“-Dimension).

Letztere, also Share und Transfer Barrieren, können durch die Förderung von Netzwerken und Kontakten erfolgreich überwunden werden. Ein effektives Mittel ist die technologische Unterstützung. Entsprechende kollaborative Software, wie unsere innosabi crowd Technologie, kann sowohl bei der Informationsbeschaffung innerhalb eines Unternehmens, als auch beim Transfer externen Wissens sehr hilfreich sein.

Fazit

Im Zusammenhang mit der voranschreitenden Digitalisierung und der steigenden Geschwindigkeit von Innovationsprozessen ist virtuelle Kollaboration eine unentbehrliche Form der Zusammenarbeit geworden.

Es gilt, über die einfache Kooperation hinaus, individuelles Wissen zusammenzuführen und mit Hilfe kollaborativer Technologie in einem iterativen Prozess zu neuen Erkenntnissen und Ansätzen zu gelangen.

Unternehmen können dabei sowohl von einer internen Vernetzung ihrer Mitarbeiter in einem gemeinsamen Wissensnetzwerk, als auch von der Integration externer Parteien, wie Kunden und Partner, über Open Innovation und Crowdsourcing Plattformen profitieren.

Wie könnte virtuelle Kollaboration die Zusammenarbeit innerhalb Ihres Unternehmens oder ihr Verhältnis zu Kunden und Lieferanten außerhalb verbessern?


Literatur

Anbei noch eine kurze Liste mit Literatur zum Thema Kollaboration zum weiterlesen und – lernen:


Bildquelle: Designed by Freepik


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