„FinTechs und Banken im Honeymoon“ – Ein Bericht vom zeb-Innovation-Panel

In Hamburg haben sich am 25.11. rund 30 Vertreter von Finanzinstituten und FinTechs auf dem zeb-Innovation-Panel getroffen, um über die Chancen und Erfahrungen der Zusammenarbeit von FinTechs und Banken zu diskutieren. innosabi war mit dabei.

In cool lässiger Loftatmosphäre trafen sich im November rund 30 Teilnehmer, um sich beim Innovation-Panel der zeb – der zweitgrößten deutschen Unternehmensberatung – über die Kooperation von FinTechs und Banken auszutauschen.

Gezielte Kooperationen zwischen Banken und FinTechs

Moderator und Organisator der Veranstaltung war zeb Manager Dr. Ludwig Merker. Er skizzierte im einleitenden Vortrag die aktuelle Herausforderung der Branche: Banken werden durch die Digitalisierung zunehmend unter Druck gesetzt, Innovationsfreude und -geschwindigkeit sind allerdings nur bedingt mitgewachsen. Die Lösung: Gezielte Kooperationen mit FinTechs. Merker lieferte dazu interessante Fakten. Nur rund 7% der FinTechs zielen auf einen Verdrängungswettbewerb mit etablierten Banken. 17% fokussierten Aggregation. Der größte Teil, nämlich rund 76%, wünschten sich eine Kooperation. Es gelte, die erforderlichen Erfolgsfaktoren zu identifizieren.

Großes Crowdfunding Potential in Deutschland

Wie die Kooperation von FinTechs und Banken beim Thema Crowdfunding aussehen kann, verdeutlichte Markus Sauerhammer, Partnermanager von StartNext Networks. Das Unternehmen kooperiert seit längerem erfolgreich mit mehreren Banken. Er lieferte interessante Einblicke in den Markt: Während 2014 in UK rund 36€ pro Einwohner mittels Crowdfunding mobilisiert werden konnten, waren es in Deutschland nur 1,70€/Einwohner. Die Zahlen verdeutlichen das große Wachstumspotenzial, das hierzulande beim Thema Crowdfunding noch besteht. Durch die faire Kooperation von FinTechs und Banken kann es, laut Sauerhammer, mit vielen Vorteilen für beide Seiten gehoben werden.

Crowdsourced Innovation im Finanzumfeld

innosabi CEO Catharina van Delden erklärte, wie Crowdsourced Innovation im Finanzumfeld funktioniert. Die theoretischen Grundlagen des Themas untermauerte Sie dabei mit anschaulichen Case Studies. Projekte, wie die Haribo FAN-edition oder die ISPO OPEN INNOVATION Plattform, liegen zwar außerhalb der Finanzbranche, die Verbindung zu Projekten, wie dem Postbank Ideenlabor, machte jedoch klar: Bankkunden wollen und können auch im Finanzumfeld beim Gestalten von Produkten aktiv mitwirken. In dieser Hinsicht ist die Kooperation von Banken und jungen, kreativen Technologieunternehmen ebenfalls möglich und sinnvoll.

Rechtsfragen bei der Zusammenarbeit von FinTechs und Banken

Zu typischen Rechtsfragen bei der Zusammenarbeit von FinTechs und Banken referierte Dr. Thilo Weichert vom Netzwerk Datenschutzinitiative. Wem sein Name irgendwie bekannt vorkommt: Eine gewisse „Berühmtheit“ erlangte er als ehemaliger Datenschutzbeauftragter des Landes Schleswig-Holsteins, der sich nachhaltig mit dem amerikanischen Internetriesen Facebook anlegte. Bei seinem Vortrag ging es diesmal aber nicht allein um Datenschutz – er beleuchtete ebenso die Interessen staatlicher Einrichtungen an Geldtransaktionen, Aspekte des Kreditwesengesetzes (KWG) sowie eine Vielzahl von einschlägigen Rechtsvorschriften.

Vom ersten „Date“ bis zum „Familienstreit“ – Phasen der Zusammenarbeit

Den unterhaltsamsten Beitrag der Veranstaltung lieferte wohl Malte Klussmann, Co-Founder und Geschäftsführer von cringle, einem Berliner FinTech, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Ausgleich privater Kleinbeträge mittels App zu optimieren. Klussmanns Aussage nach werden allein in Deutschland täglich rund 122 Millionen Euro privat unter Freunden beglichen. Der Schwerpunkt seines Vortrags lag allerdings weniger im Geschäftsmodell als in der amüsanten Darstellung seiner Erfahrungen bei der Zusammenarbeit seines Unternehmens mit Banken. Sehr plakativ skizzierte er die verschiedenen Phasen der Beziehung vom ersten „Date“ bis zum „Familienstreit“. Dieser Erfahrungsbericht verdeutlicht eindrucksvoll, dass ein zentraler Erfolgsfaktor eigentlich simpel aber vielleicht gerade deshalb durchaus knifflig ist: Es kommt darauf an, viel und offen miteinander zu reden!

Kommunikation ist Alles!

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam Michael Heinks, ehemaliger Vorstand der biw. Seine provokative These: Eigentlich passen FinTechs und Banken nicht zusammen! Aber – und das war die gute Nachricht – wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Vorausgesetzt, dass beide Seiten erkennen, welche PainPoints und Erwartungen auf der jeweils gegenüberliegenden Seite bestehen.

… und nicht zu vernachlässigen ist die Kultur

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden noch einmal alle Themen in einer finalen Diskussion aufgegriffen und vertieft. Das Fazit: Eine gelungene Veranstaltung! Zentrale TakeAways liegen vor allem darin, dass eine offene Kommunikation und der kulturelle Fit mindestens ebenso über den Erfolg einer Kooperation entscheiden, wie die inhaltlich-fachliche Passform, und dass noch viel Luft nach oben ist bei der Kooperation zwischen FinTechs und Banken!


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