Über offene Innovationsansätze in der Versicherungswirtschaft

Innovationsmanagement in der Versicherungswirtschaft

57% der Versicherungsunternehmen verfügen, laut einer repräsentativen Studie des Centers for Leading Innovation and Cooperation (CLIC) in Zusammenarbeit mit den Versicherungsforen Leipzig zur „Innovationsfähigkeit der deutschen Versicherungswirtschaft“, über kein institutionalisiertes Innovationsmanagement. 41% der Befragten – Führungskräfte deutscher Schaden- und Unfallversicherer aus 59 Unternehmen – gaben an, in ihrer Unternehmensstrategie zwar konkrete Innovationsziele zu verfolgen, aber es fehle an einer Innovationskultur, die eine konkrete Umsetzung der Pläne unterstützt. Nur ein knappes Fünftel der befragten Unternehmen fördert Innovation unternehmensweit und verschenkt dadurch vorhandenes Potential und Ressourcen.

Notwendigkeit neuer Innovationsansätze

Fakt ist: Die Digitalisierung von Produkten, Prozessen und der Gesellschaft stellt die Versicherungsbranche vor immense Herausforderungen. Nachdem andere Branchen die Digitalisierung bereits seit Längerem in ihre Geschäftsmodelle aufgenommen haben, für sich nutzen und deren Weiterentwicklung sogar aktiv vorantreiben, wird es nun auch für die Versicherungsbranche zwingend notwendig, sich zu wandeln. So ermöglichen beispielsweise moderne Fahrberechtigungssysteme in neuen Fahrzeugen das personen-, zeit-, kilometer- und fahrverhaltensgenaue Tracking des Fahrers und öffnen damit Tür und Tor für pay-how-you-drive, pay-as-you-drive und auch personenbezogene statt fahrzeugbezogene Versicherungskonzepte. Dabei wird dieser Prozess jedoch nicht nur von Seiten der OEM im Fahrzeugbereich getrieben, sondern vor allem durch den Konsumenten. Moderne Mobilität ermöglicht und erfordert inzwischen den fortwährenden Wechsel zwischen unterschiedlichen Fortbewegungsmitteln, bei dem der Hauptnutzen im Sharing und flexiblen Kombinieren liegt. Analog kann dieses Beispiel auf den gesamten Komposit-, Lebens- und Krankenversicherungsbereich übertragen werden. Heutige Versicherungskonzepte sind jedoch noch nicht darauf angepasst und bilden die nahenden Bedürfnisse der Konsumenten (noch) nicht ab.

Innovation durch Kundenbeteiligung

„Kundenwerkstatt“, „IdeenCosmos“ oder „IdeenLabor“ heißen die offenen Innovationsplattformen von Versicherern, die das Potential der Kundenbeteiligung bereits entdeckt haben und konsequent nutzen. Damit sind diese Versicherungsunternehmen, laut der oben genannten Studie, allerdings deutlich in der Unterzahl. Nur 21% der befragten Führungskräfte beziehen demnach ihre Kunden regelmäßig in den Innovationsprozess mit ein. Für 79% spielen sowohl Ideenwettbewerbe als auch Innovation Communities bisher gar keine Rolle. Dabei wird es branchenübergreifend immer wichtiger, Kundenwünsche ernst zu nehmen und in die Produktentwicklung zu integrieren:

„Die Öffnung von Innovationsprozessen und die Einbindung des Versicherungsnehmers sind ein wichtiger Hebel für langfristigen Unternehmenserfolg.“

Prof. Dr. Kathrin M. Möslein, Akademische Direktorin des Center for Leading Innovation & Cooperation (CLIC)

Kunden wollen mitbestimmen

Eine repräsentativen TNS-Infratest Befragung bestätigt derweil die Bereitschaft der Kunden sich mit ihren Ideen in die Entwicklung neuer Versicherungsprodukte und -dienstleistungen einzubringen. 77% der Deutschen, so das Ergebnis der Befragung, haben Interesse bei Verbesserungen mitzuwirken und schätzen dabei auch die Möglichkeit, über eine Community Kontakt zu anderen Versicherten aufzunehmen (48%). Das gilt durchweg für alle befragten Altersgruppen, auch für die über 50-jährigen.

Vorteile offener Innovationsprozesse

Die Mitglieder fester Teams in traditionellen Entwicklungsprozessen kreisen häufig um ein und dieselben Ideen. Die gezielte Öffnung für neue, externe Perspektiven kann die Ideenfindung enorm bereichern. Denn die Teilnehmer entsprechender Crowdsourcing Aktionen haben im Idealfall völlig unterschiedliche Fachhintergründe. In einem Innovation Community Ansatz, der es den Nutzern ermöglicht, direkt miteinander zu kommunizieren, kann individuelles Wissen zusätzlich durch die kollaborative Zusammenarbeit der Community Mitglieder weiterentwickelt werden.

Die frühe Integration von Nutzern senkt außerdem das Floprisiko neuer Produkte und stellt die Berücksichtigung echter Kundenbedürfnisse sicher. Das spart unter Umständen viel Zeit. Und das kann, bei immer kürzer werdenden Innovationszyklen, ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein. Insbesondere für zukünftige Entwicklungen. Denn aus den Aussagen der Community Mitglieder lassen sich mitunter aktuell wachsende und auch ganz neue Bedürfnisse ableiten, die für Produktgestaltung in Zeiten der Digitalisierung wegweisend sein können.

Gut gepflegte Innovation Communities stellen darüber hinaus, über den direkten Dialog mit den Versicherten, ein nachhaltiges Kundenbindungsinstrument dar. Denn Unternehmen, die ihre Kunden mitentscheiden lassen, geben diesen das Gefühl, ernstgenommen zu werden.

Fazit

Die deutsche Versicherungsbranche hat die große Chance, bisher ungenutzte Innovationspotenziale innerhalb des Unternehmens und auch durch die Integration externen Wissens zu heben. Digitale Innovation Communities machen das möglich. Sie ermöglichen es, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens, nach neuen Ideen und Problemlösungen zu suchen sowie neue und wachsende Kundenbedürfnisse frühzeitig zu erkennen.

Wir  begleiten Sie gern auf diesem Wege, indem wir sie mit unserer Expertise im Bereich Crowdsourced Innovation und der Versicherungswirtschaft mit unserer Marke hammurabi unterstützen.


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