Prototypenbau im Crowdsourcing

PROTOTYPENBAU IM CROWDSOURCING

Prototypen sind essentiell bei der Weiterentwicklung von Ideen und können auch im online Crowdsourcing eingesetzt werden.

Lernen Sie in diesem Paper, wie Sie es Teilnehmern an Crowdsourcing Prozessen optimal ermöglichen, ihre Ideen in Prototypen zu visualisieren und so schnell gemeinsam weiter entwickeln zu können.

Frühe, unausgereifte Prototypen sind Katalysator für konstruktive Zusammenarbeit von Teams

In der Produktentwicklung sind Prototypen nicht wegzudenken – gerade der Wert von sehr frühen, sehr unausgereiften Prototypen wird zunehmend erkannt: So können Ideen früh getestet werden, unabhängig von ihrer Umsetzung. Je unfertiger ein Prototyp, umso eher scheint er noch offen für konstruktives Feedback, Verbesserung und Weiterentwicklung. So sind frühe, rohe Prototypen oft der Katalysator für die konstruktive Zusammenarbeit von Teams. Doch in Produktentwicklungsprojekten, die mit Crowdsourcing Methoden umgesetzt werden, wird häufig auf dieses so wichtige Element verzichtet und ausschließlich auf einen onlineDialog gesetzt. Dadurch können Ergebnisse nicht greifbar sein und noch nicht nah an einer umsetzbaren Lösung. Daher empfiehlt es sich, gerade bei ergebnisorientierten Crowdsourcing Projekten Wege zu finden, offline- oder online Prototypenbau zu ermöglichen. In bisherigen Projekten auf der Crowdsourcing Plattform für die Konsumgüterindustrie unserAller.de hat sich gezeigt, dass der Bau von anfassbaren Prototypen nicht nur zu besseren Ergebnissen geführt hat, sondern auch die Involvierung und die Bindung der Teilnehmer an Marke und Projekt deutlich erhöht hat. Auf unserAller.de wird der Prototypenbau durch zweierlei Maßnahmen ermöglicht: “Bastelbögen” und “Ausprobier- und Selbermachpäckchen”. Die Hintergründe zu beiden sollen im weiteren genauer dargestellt werden.

Bastelbögen eignen sich für grafisch geprägte Fragestellungen

Bastelbögen sind vor allem bei stark grafisch geprägten Fragestellungen sinnvoll, die sich an Personen wenden, die keine spezifische Fachkenntnis in grafischer Umsetzung haben. Hier können Bastelbögen helfen, mit Schere und Kleber bewaffnet – oder häufig sogar mit ersten Kenntnissen in einem Bildbearbeitungsprogrammen – Ideen wie zum Beispiel Verpackungsdesign, modische Gestaltung oder Poster-Entwürfe zu gestalten.Ein Bastelbogen sollte folgende Elemente enthalten:

  • Konturen, Vorlagen, Rahmenbedingungen
  • Logos in verschiedenen Größen und Ausprägungen sowie Firmenfarben
  • Elemente, die verpflichtend verwendet werden müssen
  • Elemente, die inspirieren und die Kreativität anregen (Bilder, Formen, Icons, Backgrounds, Schnittszenen, Schriftarten, Trendfarben etc.)

Der Bastelbogen sollte im Projekt gut sichtbar zum Download stehen und kann zusätzlich an schon registrierte Teilnehmer per Email versendet werden. Oft bietet sich auch der Versand als Ausdruck zusammen mit einem Selbermachpäckchen an.

Ausprobier- und Selbermachpäckchen regen die Kreativität an und steigern die Motivation der Teilnehmer

Prototypenpakete lösen bei Teilnehmern häufi g Begeisterungsstürme aus und sind nicht häufi g der Hauptgrund zur Teilnahme an Crowdsourcing-Projekten: Denn so macht Produktentwicklung Spaß! Sie ermöglichen den Teilnehmern einerseits die Visualisierung ihrer nicht immer einfach mit Worten zu beschreibenden Ideen. Andererseits regen sie aber auch zum Ausprobieren und Weiterentwickeln an und sind so nicht selten der Auslöser für komplett neue Ideen. Die Zusammensetzung solcher Pakete spielt dabei eine essentielle Rolle, um eventuelle Rahmenbedingungen aufzuzeigen aber auch, um die Kreativität anzuregen. Es empfi ehlt sich, ein solches Prototypenpaket – in Fachkreisen auch „User Innovation Toolkit“ genannt – nach folgendem Schema zusammen zu setzen:

  • Basisinhalte: Mit den Basisinhalten sollten die Teilnehmer in der Lage sein, Ihr Produkt grundsätzlich prototypisiert umzusetzen. Das kann auch ein Samples des fertigen Produktes, dem nur gewisse Eigenschaften hinzugefügt werden können. Anhand der Ausprägung der Basisinhalte wird den Teilnehmern der kreative Freiraum aufgezeigt: Sind nur einzelne Ausprägungen gefragt oder eine ganz neue Art, ein Problem zu lösen?
  • Ausgefallenes: Ausgefallene Inhalte passen zwar grundsätzlich zur Fragestellung, fallen einem dabei aber nicht als erstes ein. Diese Inhalte sollen die Teilnehmer an ausgefallenere Ideen langsam heran führen und den Spaß am Ausprobieren wecken.
  • Ungewöhnliches: Dinge, die man auf keinen Fall im Zusammenhang mit der Fragestellung erwartet, regen die Kreativität der Teilnehmer an und zeigen vor allem auf, dass auch weitere ungewöhnliche Ideen und Inhalte, die nicht Bestandteil des Päckchens waren, gewünscht sind. Diese Vorgehensweise eignet sich natürlich nur bei sehr offenen Fragestellungen, wenn konkrete Rahmenbedingungen eingehalten werden sollen, sollte bewusst auf ungewöhnliche Inhalte verzichtet werden.
  • Geräte zur Zubereitung oder Herstellung: Sollte man zur Umsetzung des grundlegenden Prototypen gewisse Geräte oder Werkzeuge benötigt werden, ist es förderlich, diese auch im Päckchen zur Verfügung zu stellen – idealerweise in einer Einmalverwendung. Denn sonst kann der Prototypenbau schon an der Verfügbarkeit der richtigen Hilfsmittel scheitern.
  • Proben eigener Produkte: Schon vorhandene Produkte in Ausprobiergröße geben den Teilnehmern ein Gefühl für Marke und Produktrange, in die ein zukünftiges Angebot sich einfügen soll. Als schönen „Nebeneffekt“ wird so die Bekanntheit existierender Produkte erhöht. Sucht man allerdings nach Produktideen und -konzepten, die sich deutlich vom aktuellen Portfolio unterscheiden, ist nicht zur Beigabe von Proben zu raten.

Operative Details wie die Verpackung oder die Auswahl der Empfänger sind ausschlaggebende Erfolgsfaktoren

Weiterhin ist besonders die gute Verpackung der Inhalte zu beachten: Nichts ist frustrierender, als beschädigte Inhalte zu erhalten und seine Ideen nicht mehr rechtzeitig einreichen zu können. Sollte dennoch etwas zu Bruch gehen, empfiehlt sich bei kurzen Zeitrahmen eher ein Ersatz angefallener Kosten beim Bau von Prototypen bis zu einer bestimmten Höhe anstelle des erneuten Aussands von Prototypenpaketen (die dann eventuell nicht mehr rechtzeitig ankommen). Sollte man Lebensmittel oder andere potentiell allergene Mittel versenden, empfiehlt sich eine vorherige Abfrage zu Allergien – zum Beispiel in Form eines online-Fragebogens.
Möchte man die Diskussion über bestimmte Themen anregen, können auch hier die Prototypen-Pakete unterstützen: So kann man beispielsweise kontroverse Inhalte in die Päckchen geben. Ist die Frage beispielsweise “was empfinde ich als gesund” in einem Lebensmittelprojekt, könnte man diese Diskussion durch die Zugabe von Vitamin C Brausetabletten fördern: Wird die Zugabe von Vitaminen als gesund, als überflüssig oder gar als schädlich betrachtet? Auch kann man Inhalte in verschiedenen Konsistenz-Formen beigeben, um deren optimale Ausprägung zu testen (wieder im Lebensmittelbereich beispielsweise Süßungsarten: Zucker, Traubenzucker, Honig, Süßstoff, Dextrose, Ahornsirup-Flocken, Zuckerwatte). Auch unterschiedliche gepackte Päckchen können Diskussionen auslösen: So kann man – vergleichbar mit dem A/B Testing im Webdesign – A und B Pakete packen mit unterschiedlichen Inhalten und den Effekt auf die Ergebnisse beobachten.

Die Frage nach der Anzahl auszusendender Pakete richtet sich meist nach der Komplexität und den Kosten der Inhalte und Portokosten sowie nach der Anzahl der erwarteten Teilnehmer. Üblich sind bei Projekten mit starkem Innovationsfokus ein Aussand von 20 bis 50 Päckchen, bei Projekten mit stärker eingeschränktem Lösungsrahmen eine Menge von 500 bis 1.000 Stück.Schlussendlich gilt es von vorneherein klar zu kommunizieren, wer der Teilnehmer ein Päckchen bekommt: Möglichkeiten, die Empfänger auszuwählen sind beispielsweise die Anzahl bisher im Projekt gesammelter Punkte, ein vorher ausgewählter Kreis (zum Beispiel schon bestehender Kundenbeirat), ausgewählte Blogger mit guter Reichweite oder auch im Gewinnspielverfahren im Vorlauf zum Crowdsourcing Projekt.

Die nächsten Entwicklungen sind von technischen “Tüfteleien” geprägt

Unternehmen, deren Angebote sich durch eine besondere technische Höhe differenzieren, sollten im Zusammenhang mit Prototypenbau im Crowdsourcing besonders die sogenannte “Maker-Bewegung” im Auge behalten, bei der unter anderem Alltagsgegenstände vernetzt werden. Auch die immer erfolgreicher werdenden stundenweise zu mietenden Werkbänke wie beispielsweise Techshop, stellen hier eine spannende Entwicklung dar.

Die Erstellung eines Prototypen dient nicht der finalen Umsetzung sondern der Visualisierung einer Idee

Viele denken beim Anblick solcher durch Nutzer generierten Prototypen: “Das ist ja unprofessionell, das kann ich als Unternehmen so nicht umsetzen”. Wichtig ist hier, von einem Nutzer, der an der Mitgestaltung eines Produktes Interesse hat, keine Umsetzungskompetenz zu erwarten – diese liegt beim Unternehmen. Verstehen Sie daher einen durch einen Nutzer eingereichten Prototypen als Grundlage zur Diskussion mit den Teilnehmern an einem Crowdsourcing-Projekt, als Inspiration und Grundidee für die spätere Umsetzung und nicht als 1:1 Blaupause für Ihr späteres Produkt. Bei nicht verderblichen Prototypen ist es hilfreich, die Gewinner-Vorschläge auch per Post zu Ihnen ins Unternehmen senden zu lassen, damit Sie eine gute Vorlage für die Weiterentwicklung und Umsetzung haben. Damit dies möglich ist, muss frühzeitig darauf hin gewiesen werden, damit die Prototypen nach dem Bau nicht entsorgt werden. Weiterhin sind die Einsendequoten natürlich dann am höchsten, wenn Sie den Teilnehmern einen frankierten RücksendeUmschlag zukommen lassen. Vor allem aber gilt: Lassen Sie sich anstecken von der Liebe zum Produkt, der Liebe zum Detail und der Passion beim Prototypenbau, den Ihre Kunden in ein Crowdsourcing-Projekt mit einbringen.